Ausgabe
Ausgabe vom 22. Oktober 2026
Auf einen Blick
14,58 Mrd. $
SpaceX-Umsatz im dritten Quartal
über 95 %
Anteil des Devin-Codes, den Devin selbst schreibt
6.000+
Anbindungen bei Claude Duet
1 Mrd. $
Series A von Flapping Airplanes
Top-Story
Anthropic startet Claude Duet: ein KI-Agent, der von selbst auf dich zukommt

Anthropic, der Hersteller von Claude, hat am 22. Oktober Claude Duet als Forschungsvorschau gestartet. Duet ist ein KI-Agent: ein Programm, das nicht nur antwortet, sondern Aufgaben eigenständig erledigt. Es gibt ihn als eigene App für iOS, Android und auf claude.ai. Zum Start kommen nur Pro- und Max-Kunden in den USA per Warteliste hinein. Basis ist das Modell Claude Opus 5.5.
Duet wartet nicht auf eine Frage. Jeden Morgen schickt der Agent ein Briefing aus den verbundenen Apps; über 6.000 Anbindungen stehen bereit, etwa Gmail, Slack und Stripe. Er arbeitet auf einem eigenen Cloud-Rechner weiter, auch wenn dein Laptop aus ist. Zahlungen und das Versenden von Nachrichten brauchen deine Freigabe. Wertpapierhandel und Überweisungen zwischen Konten lehnt Duet ab.
Warum das zählt: Der Wettbewerb verschiebt sich vom Chatfenster zum Agenten, der im Hintergrund arbeitet. TechCrunch nennt Meta Muse und OpenAI Dots als direkte Rivalen. Am selben Tag übergab Anthropic seinen offenen Standard Agent Skills an die Agentic AI Foundation der Linux Foundation. Über Agent Skills lernen Agenten Spezialwissen. Laut Anthropic nutzen ihn über 70 Plattformen, darunter ChatGPT, Cursor und GitHub Copilot.
Konkurrenz & Köpfe
OpenAI bringt seine Modelle und Codex auf Google Cloud

OpenAI bringt seine Spitzenmodelle und den Coding-Agenten Codex in Model Garden, den Modellkatalog von Google Cloud. Bald folgt auch Googles Coding-Tool Antigravity. Unternehmen können dafür bestehende Google-Cloud-Budgets nutzen. Allgemein verfügbar wird das Angebot in den kommenden Wochen. Zum Hintergrund: Cloud-Anbieter wie Google, Amazon und Microsoft vermieten Rechenleistung und verkaufen KI-Modelle an Unternehmen.
Warum das zählt: Laut CNBC ist OpenAI damit bei allen drei großen US-Clouds vertreten. Zuvor war Microsofts Exklusivlizenz gefallen. Microsoft bleibt laut OpenAI aber der wichtigste Cloud-Partner. Für Codex heißt das: mehr Vertrieb direkt dort, wo Entwickler ohnehin arbeiten, auch im Revier von Googles eigenen Gemini-Modellen.
Cognition macht Devin Oncall für alle verfügbar: der KI-Agent übernimmt den Bereitschaftsdienst

Cognition baut Devin, einen KI-Softwareingenieur. Die Firma hat auch Windsurf übernommen, das heute Devin Desktop heißt. Seit dem 19. Oktober ist Devin Oncall für alle Kunden verfügbar. Der Agent beobachtet Alarme aus Slack, Teams und PagerDuty und sortiert Störungen. Anhand von Code, Deployments und Monitoring sucht er nach der wahrscheinlichen Ursache. In einem Video-Interview mit Bain Capital Ventures sagt CEO Scott Wu, mehr als 95 Prozent des Devin-Codes schreibe Devin inzwischen selbst.
Warum das zählt: Code schreiben können mittlerweile viele Agenten. Der Kampf verlagert sich auf alles, was danach kommt: Review, Auslieferung und Störungsbehebung.
AlphaGo-Miterfinder Thore Graepel gründet in London das KI-Start-up Metis Reasoning
Thore Graepel war Forschungschef bei Google DeepMind und Mitentwickler von AlphaGo. Das Programm schlug die besten Go-Spieler der Welt. Graepel hat DeepMind im Sommer verlassen. Am 20. Oktober stellte er in London Metis Reasoning vor. Zum zwölfköpfigen Team gehören die Mitgründer Piers Ingram, Michael Warren und David Berman. Laut Tech.eu will Metis zunächst einen zweistelligen Millionenbetrag einsammeln.
Warum das zählt: Metis setzt nicht auf immer größere Sprachmodelle, sondern auf nachvollziehbares, rechensparsames Schlussfolgern nach dem Vorbild von AlphaGo. Damit wird London zum Sammelpunkt prominenter Gegenentwürfe zu OpenAI und Anthropic. Dort sitzen auch David Silvers Ineffable Intelligence und Richard Sochers Recursive Superintelligence.
OpenAI holt Fachleute für Energie und Partnervertrieb von AWS
OpenAI hat Will Friedman als Energy Regulatory Lead geholt. Er war zuletzt Senior Corporate Counsel bei Amazon Web Services (AWS). Bei OpenAI soll er Genehmigungen und Strom-Deals für neue Rechenzentren koordinieren. Neu ist auch Ignacio Guillen als Go-to-Market Partner Director. Er war früher Partner-Sales-Leiter bei AWS.
Warum das zählt: Strom ist der Engpass beim KI-Ausbau. Unternehmenskunden gewinnt man oft über Partner. Für beides rekrutiert OpenAI gezielt bei den Cloud-Riesen. Deren Kunde und Konkurrent ist OpenAI zugleich.
Weitere Top-Storys
SpaceX meldet Rekordquartal, Elon Musk bringt Fusion mit Tesla ins Spiel

Milliarden US-Dollar. Plus 161 % zum Vorjahr.
SpaceX ist inzwischen börsennotiert. Neben Raketen und Starlink gehört auch ein KI-Geschäft dazu. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 161 Prozent auf 14,58 Milliarden Dollar. Erwartet waren 12,72 Milliarden. Der Nettogewinn lag bei 4,4 Milliarden, nach einem Verlust von 1,05 Milliarden ein Jahr zuvor. Das KI-Geschäft wuchs laut CNBC um das Neunfache.
Warum das zählt: Elon Musk sagte im Analysten-Call, Tesla und SpaceX hätten Sonderausschüsse aus unabhängigen Direktoren gebildet. Sie sollen eine Fusion prüfen, die Musk eine gute Idee nennt. Konditionen gibt es noch keine. Auf Tesla-Seite müsste die Mehrheit aller Aktien zustimmen. Die SpaceX-Aktie sprang laut CNBC um rund 10 Prozent.
KI findet kritische PHP-Lücken, OpenAI koordiniert mit Patch the Planet die Abwehr

PHP ist eine Programmiersprache, auf der ein großer Teil der Websites läuft. Die Sicherheitsfirma Calif fand mit OpenAIs Modell GPT-5.6 Sol eine kritische Schwachstelle. Wiz entdeckte die Lücken unabhängig davon. Über seine Initiative Patch the Planet koordinierte OpenAI die Fixes vor der Veröffentlichung, gemeinsam mit Maintainern, Cloudflare und Behörden.
Warum das zählt: OpenAI nennt es eines der folgenreichsten Sicherheitsprobleme seit Langem. Das Unternehmen erwartet, dass KI solche Funde stark beschleunigt, für Verteidiger wie für Angreifer. Zudem sagt OpenAI eine Milliarde Dollar an subventioniertem Zugang zu Daybreak zu, seinem Sicherheitsangebot. Der Zugang richtet sich an ressourcenschwache Verteidiger.
Flapping Airplanes sammelt 1 Milliarde Dollar ein, Bewertung laut Berichten bei 6 Milliarden

Milliarden US-Dollar.
Flapping Airplanes ist ein ein Jahr altes KI-Labor. Es will große Modelle mit deutlich weniger Daten trainieren. Jetzt hat es eine Series A über 1 Milliarde Dollar eingesammelt, angeführt von Index und Lux. Die Bewertung liegt laut Berichten bei 6 Milliarden. Neun Monate zuvor brachte eine Seed-Runde 180 Millionen bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden.
Warum das zählt: Die Bewertung hat sich in neun Monaten vervierfacht. Investoren wie Sequoia, GV und Nvidia wetten darauf, dass Effizienz das nächste große Rennen wird: mehr Intelligenz pro Chip und pro Datensatz.
Podcast-Tipp
20VC-Folge „Trillion or Bust“: Warum Megafonds nur noch auf Billionen-Ausgänge wetten

In der Folge vom 22. Oktober diskutieren Harry Stebbings, Rory O'Driscoll und Jason Lemkin, warum Megafonds nur noch auf Billionen-Ausgänge wetten. Solide Firmen dazwischen finden kaum Geld. Themen sind unter anderem die Gespräche über eine niedrigere Bewertung für den Börsengang von Anthropic (laut Reuters rund 1,5 statt 2 Billionen Dollar), Modals 750-Millionen-Runde bei 15,75 Milliarden und Andurils 90-Milliarden-Tender.
Warum hören: Lemkin nennt Code Review die derzeit wichtigste Kategorie in Software. Das passt zur Cognition-Story in dieser Ausgabe.